Für die Schweizer Exportwirtschaft bleibt die amerikanische Handelspolitik das grösste Einzelrisiko. Nachdem Präsident Donald Trump im vergangenen August Zölle von 39 Prozent auf Schweizer Waren verhängt hatte, einigten sich beide Seiten im November auf eine Reduktion auf 15 Prozent. Dieser Satz gilt gemäss economiesuisse rückwirkend.
Eine Absichtserklärung, kein Vertrag
Die Einigung ist bislang allerdings nur eine unverbindliche Absichtserklärung. Ein definitives Abkommen sollte in den Folgemonaten ausgehandelt werden; Bundesrat Guy Parmelin reiste dafür im Sommer nach Washington. Bis Ende Juli liefen die Verhandlungen über die dauerhafte Regelung.
Die Rechtsgrundlage der pauschalen Zölle war zeitlich befristet — bis zum 24. Juli 2026. Seither stützt sich Washington auf Section 301 des Trade Act von 1974 und erhebt variable Zusatzabgaben von bis zu 12,5 Prozent auf Importe im Zusammenhang mit Zwangsarbeit in der Lieferkette.
Was das für Unternehmen bedeutet
Praktisch heisst das: Planungssicherheit gibt es weiterhin nicht. Exporteure müssen mit einem Basissatz kalkulieren, der politisch verhandelbar bleibt, und zusätzlich mit Abgaben rechnen, die an Nachweispflichten entlang der Lieferkette geknüpft sind. Besonders betroffen sind die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sowie Zulieferer mit mehrstufigen internationalen Vorketten.
Für die Pharmabranche, die den grössten Teil der Schweizer Ausfuhren in die USA stellt, sind branchenspezifische Ausnahmen ein zentraler Verhandlungspunkt. Die Unternehmen bauen parallel Produktionskapazitäten in den Vereinigten Staaten aus, um Zollrisiken strukturell zu senken.
Wo Unternehmen jetzt ansetzen
Drei Punkte sind kurzfristig entscheidend: die Ursprungsdokumentation lückenlos zu führen, Lieferantennachweise zur Arbeitspraxis systematisch einzuholen und Preisklauseln in Verträgen mit US-Abnehmern auf Zollweitergabe zu prüfen. Wer diese Punkte offen lässt, trägt die Abgabe am Ende selbst.
Laufende Informationen zur Handelsbeziehung publiziert das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO.
