Die Schweizerische Nationalbank hat ihren Leitzins in der geldpolitischen Lagebeurteilung vom 18. Juni erneut unverändert bei 0,0 Prozent belassen. Der Satz gilt seit der Senkung im Juni des Vorjahres. Für den weiteren Jahresverlauf 2026 erwarten die meisten Marktbeobachter vorerst keinen zusätzlichen Schritt.
Warum die SNB stillhält
Die Nationalbank bewegt sich in einem engen Korridor. Die Inflation liegt tief, was gegen eine Straffung spricht. Gleichzeitig würde ein Schritt in den Negativbereich das Bankensystem belasten und wäre politisch heikel. Der starke Franken erledigt zudem einen Teil der Arbeit: Er dämpft die importierte Teuerung — und die Exportmargen gleich mit.
Für Sparer: Realverlust bleibt das Thema
Auf Spar- und Vorsorgekonten liegt die Verzinsung nahe null. Wer Liquidität hält, verliert real an Kaufkraft, solange die Teuerung positiv bleibt. Das verschiebt Kapital in Sachwerte — Aktien und Immobilien — und erklärt einen Teil der Rekordstände am Schweizer Aktienmarkt.
Für Immobilienkäufer: günstig, aber nicht risikofrei
Zehnjährige Festhypotheken kosten im Schnitt rund 1,8 Prozent. Das ist historisch tief und macht Wohneigentum in der Tragbarkeitsrechnung attraktiver. Der Haken: Die günstige Finanzierung ist einer der Gründe, weshalb die Preise weiter steigen. Wer heute kauft, zahlt tiefe Zinsen auf einen hohen Kaufpreis.
Entscheidend ist die Tragbarkeit beim kalkulatorischen Zinssatz, mit dem die Banken rechnen — nicht beim aktuellen Marktzins. Wer nur beim tiefen Zins rechnet, unterschätzt das Risiko bei der Anschlussfinanzierung.
Ausblick
Solange Inflation und Konjunktur keine Überraschung liefern, spricht wenig für eine Bewegung. Die nächsten Lagebeurteilungen der Nationalbank dürften vor allem an der Frankenentwicklung und an der Handelspolitik der USA gemessen werden.

