Die Schweizer Wirtschaft findet nach einem schwierigen Frühjahr schrittweise in die Spur zurück. Das Konjunkturbarometer der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich stieg im Juli um 1,4 Punkte auf 103,5 Zähler. Damit notiert der Frühindikator den zweiten Monat in Folge über der Marke von 100 Punkten, die dem langjährigen Mittel entspricht.

Der Wert ist besonders bemerkenswert, weil das Barometer im März auf 95 Punkte zurückgefallen war. Damals belasteten der Iran-Konflikt und die Unsicherheit über die amerikanische Zollpolitik die Erwartungen der Unternehmen. Seither hat sich der Indikator kontinuierlich erholt.

Finanzsektor und Baugewerbe geben den Ausschlag

Positive Signale kamen laut KOF vor allem von den Finanz- und Versicherungsdienstleistern sowie aus dem Baugewerbe. Beide Branchen profitieren vom Nullzinsumfeld: Die tiefen Finanzierungskosten stützen Bauvorhaben, während die Vermögensverwaltung von den Rekordständen an den Aktienmärkten getragen wird.

Für das verarbeitende Gewerbe fällt das Bild verhaltener aus. Die exportorientierte Industrie kämpft weiterhin mit dem starken Franken und einer Auslandsnachfrage, die sich erst zögerlich stabilisiert.

Was der Indikator aussagt — und was nicht

Das KOF-Barometer bündelt mehrere hundert Einzelindikatoren zu einem Frühindikator für die Konjunktur der kommenden Monate. Werte über 100 deuten auf eine überdurchschnittliche Entwicklung des Bruttoinlandprodukts hin, Werte darunter auf eine unterdurchschnittliche.

Eine Trendwende ist der Anstieg noch nicht. Die Expertengruppe des Bundes rechnet für das laufende Jahr weiterhin mit einem unterdurchschnittlichen BIP-Wachstum von rund einem Prozent. Der Indikator signalisiert vorerst nur, dass die Talsohle durchschritten sein dürfte.

Einordnung

Für Unternehmen bedeutet das: Die Erholung kommt, aber sie kommt langsam und ungleich verteilt. Wer im Binnenmarkt tätig ist — Bau, Immobilien, Finanzdienstleistungen — spürt sie zuerst. Exporteure brauchen mehr Geduld, zumal die Zollfrage mit den USA noch nicht endgültig geklärt ist.

Details zur Methodik und die laufenden Werte publiziert die KOF Konjunkturforschungsstelle monatlich.