Für Kaffeeröster waren die vergangenen Jahre eine Belastungsprobe. Die Preise für Rohkaffee an den Börsen erreichten Rekordstände, getrieben von Ernteausfällen in wichtigen Anbauländern, steigenden Transportkosten und hoher Nachfrage. Große Konzerne können solche Schwankungen über Absicherungsgeschäfte und Masse abfedern. Kleine Specialty-Röstereien haben diese Möglichkeiten kaum.

Qualität hat ihren Preis

Specialty Coffee wird ohnehin deutlich über dem Börsenpreis gehandelt. Viele kleine Röstereien zahlen ihren Partnerfarmen feste Aufschläge, die sich an Qualität und Beziehung orientieren, nicht an der Börse. Steigt der Börsenpreis, steigen auch diese Preise, und die Röstereien müssen entscheiden, ob sie die Kosten weitergeben oder Marge abgeben.

Diversifizierte Geschäftsmodelle

Viele unabhängige Röstereien setzen deshalb auf mehrere Standbeine. Neben dem Verkauf von Bohnen im eigenen Café und Onlineshop gehören Kurse, Firmenkunden und Gastronomie dazu. Die Münchner Rösterei Roca Junior etwa kombiniert Café, Onlineshop, eine eigene Kursakademie und ein B2B-Geschäft. Die Belieferung von Restaurants und Cafés, wie sie unter Kaffee für die Gastronomie beschrieben wird, sorgt für planbare Mengen.

Die Schweiz als Kaffeeland

Die Schweiz spielt im globalen Kaffeegeschäft eine erstaunliche Rolle. Große Rohstoffhändler haben ihren Sitz in der Schweiz, und Kaffee gehört zu den bedeutenden Exportgütern der Lebensmittelindustrie, nicht zuletzt durch Kapselsysteme. Gleichzeitig wächst in Zürich, Basel und Bern eine Szene kleiner Röstereien, die ähnliche Herausforderungen wie ihre deutschen Kollegen erleben.

Kundenbindung statt Rabattschlacht

Im Preiswettbewerb mit Supermarktkaffee können kleine Röstereien nicht mithalten. Ihr Vorteil liegt in Frische, Transparenz und persönlicher Beziehung. Abonnements, Kurse und Veranstaltungen schaffen eine Kundschaft, die bereit ist, für Qualität mehr zu zahlen.

Ausblick

Die Rohkaffeepreise dürften volatil bleiben, auch wegen der Folgen des Klimawandels in den Anbaugebieten. Für kleine Röstereien heißt das: Wer auf mehrere Standbeine setzt und enge Beziehungen zu Farmern und Kunden pflegt, kann die Schwankungen besser verkraften als ein reiner Bohnenhändler.