Die falsche Grösse ist der häufigste Grund, warum Kleidung zurück an den Absender geht. Im Inland ist das ärgerlich, über die Grenze wird es teuer. Für Schweizer Kundinnen und Kunden, die bei deutschen Händlern Bekleidung bestellen, entscheidet die Grössenwahl deshalb nicht nur über den Tragekomfort, sondern auch darüber, ob sich der Kauf am Ende rechnet. Für Händler wiederum ist eine gute Grössenberatung eines der wirksamsten Mittel, um kostspielige Rücksendungen aus dem Ausland zu vermeiden.
Gleiche Zahlen, unterschiedliche Schnitte
Auf den ersten Blick ist die Lage einfach: Die Schweiz und Deutschland verwenden bei Damen- und Herrenmode weitgehend dieselben Konfektionsgrössen, ergänzt um die international verbreiteten Buchstabengrössen von XS bis XXL. Eine Herrengrösse 50 bedeutet in Basel dasselbe wie in Freiburg im Breisgau. Kompliziert wird es erst eine Ebene tiefer: Jede Marke legt ihre eigenen Masse hinter diese Bezeichnungen. Ein M des einen Herstellers kann bei einem anderen eher einem L entsprechen.
Besonders deutlich wird das bei Sportbekleidung. Funktionsshirts, Laufjacken und Fussballtrikots werden oft körpernah geschnitten, damit nichts flattert und der Stoff Feuchtigkeit gut ableitet. Wer gewohnt ist, im Alltag locker sitzende T-Shirts zu tragen, empfindet die gewohnte Grösse dann als eng.
Ein Beispiel: Trikots mit taillierter Passform
Ein anschauliches Beispiel liefern Fussballtrikots. Beim TSV 1860 München fallen die Trikots der Saison 26/27 vom Ausrüster Joma körpernah aus. Die Kaufberatung mit Grössentipps zu den Löwen-Trikots empfiehlt deshalb, eine Nummer grösser zu wählen, wenn man das Trikot locker oder im Winter mit einer zweiten Lage darunter tragen will – und bei der gewohnten Grösse zu bleiben, wenn man es eng mag. Die Brust- und Längenmasse stehen beim jeweiligen Artikel.
Das Prinzip lässt sich verallgemeinern: Ein Händler, der klar sagt, wie ein Schnitt ausfällt und für welchen Zweck welche Grösse passt, nimmt der Kundschaft eine Entscheidung ab, die sonst per Rücksendung korrigiert wird.
Kindergrössen: in Zentimetern denken
Bei Kinderkleidung orientieren sich die Grössen in beiden Ländern meist an der Körpergrösse in Zentimetern, etwa 128, 140 oder 152. Manche Hersteller arbeiten dagegen mit Altersangaben oder mit Buchstaben. Für Bestellungen über die Grenze ist die Zentimeterangabe die verlässlichste Grundlage. Weil Kinder schnell wachsen, lohnt sich ein grosszügiger Spielraum – ein Kleidungsstück, das heute etwas weit ist, passt dafür auch in der nächsten Saison noch.
Richtig messen statt raten
Die beste Absicherung gegen eine Fehlbestellung ist ein Massband. Drei Werte genügen für die meisten Oberteile:
- Brustumfang: an der breitesten Stelle, waagrecht unter den Armen gemessen.
- Taillenumfang: an der schmalsten Stelle des Rumpfs.
- Rückenlänge oder Gesamtlänge: vom Kragenansatz bis zum gewünschten Saum.
Noch genauer ist der Vergleich mit einem Kleidungsstück, das bereits gut sitzt: flach hinlegen, von Achsel zu Achsel und von oben bis unten messen und die Werte mit der Masstabelle des Händlers abgleichen. Steht dort ein Mass als halber Umfang, wird es verdoppelt.
Warum Retouren über die Grenze so viel kosten
Eine Rücksendung von der Schweiz nach Deutschland ist logistisch eine Ausfuhr. Das Paket braucht eine Zollinhaltserklärung, die Rechnung sollte beiliegen, und der Transport dauert länger als im Inland. Viele deutsche Händler erstatten Rückversandkosten nur innerhalb Deutschlands und verlangen, dass Kundinnen und Kunden aus dem Ausland den Rückversand selbst organisieren und bezahlen. Bei einer günstigen Bestellung kann das Porto der Retoure einen spürbaren Teil des Warenwerts ausmachen.
Hinzu kommt der Zeitfaktor. Räumt ein deutscher Shop ein Widerrufsrecht ein, beginnt die Frist in der Regel mit dem Erhalt der Ware, unabhängig davon, wo die Kundschaft wohnt – die Rückabwicklung braucht über die Grenze aber schlicht länger. Wer zurückschicken will, sollte das früh tun und den Einlieferungsbeleg aufbewahren.
Was Händler daraus lernen
Grössere Versandhändler, die viel in die Schweiz verkaufen, arbeiten oft mit Retourenadressen im Inland: Die Kundschaft schickt an eine Schweizer Annahmestelle, gesammelt geht die Ware dann zurück nach Deutschland. Für kleinere Shops lohnt sich das selten. Sie setzen stärker auf Vorbeugung:
- klare Hinweise zur Passform direkt beim Produkt, nicht versteckt in einer allgemeinen Tabelle,
- Masse in Zentimetern statt nur Buchstabengrössen,
- Fotos, die das Kleidungsstück am Körper zeigen,
- eine Versandseite, die offen sagt, wie Rücksendungen aus dem Ausland ablaufen.
Jede Retoure, die so vermieden wird, spart beiden Seiten Geld – und dem Händler zusätzlich die Bearbeitung einer Sendung, die er nicht mehr als Neuware verkaufen kann, wenn sie getragen zurückkommt.
Der Faktor Saison und Lagerbestand
Ein weiterer Punkt wird beim Kauf über die Grenze oft übersehen: Saisonware ist nicht unbegrenzt verfügbar. Wer ein Kleidungsstück zurückschickt, um es in einer anderen Grösse neu zu bestellen, kann feststellen, dass genau diese Grösse inzwischen ausverkauft ist. Besonders bei Sportbekleidung, Sondermodellen oder Kollektionen, die nur eine Saison lang laufen, ist das ein reales Risiko. Wer unsicher ist, prüft deshalb vor dem Kauf, wie viele Grössen noch angeboten werden, und entscheidet sich lieber gleich für die passende Variante, statt auf einen Umtausch zu hoffen. Manche Kundinnen und Kunden bestellen zwei Grössen zugleich und schicken eine zurück – über die Grenze ist das wegen der Rückversandkosten selten eine wirtschaftliche Lösung.
Kurz beantwortet
Sind Schweizer und deutsche Kleidergrössen identisch?
Die Bezeichnungen sind weitgehend gleich. Unterschiede entstehen vor allem zwischen Marken und Schnitten, nicht zwischen den Ländern.
Was tun, wenn zwischen zwei Grössen geschwankt wird?
Die Masse beim Artikel prüfen und überlegen, wie das Stück getragen werden soll. Bei körpernahen Schnitten und für das Tragen über weiteren Lagen ist die grössere Variante meist die sicherere Wahl.
Wer bezahlt die Rücksendung in die EU?
Das regeln die Bedingungen des jeweiligen Händlers. Häufig trägt die Kundschaft aus dem Ausland die Kosten selbst – ein Blick auf die Versand- und Retourenhinweise vor dem Kauf schafft Klarheit.



