Die Umstellung von Firmenflotten auf Elektroantrieb ist in der Schweiz und im benachbarten Süddeutschland in vollem Gang. Die erste Phase, in der vor allem Pioniere und Unternehmen mit Nachhaltigkeitszielen umgestiegen sind, ist vorbei. Inzwischen geht es um die breite Masse der Fahrzeuge – und damit um nüchterne Kostenrechnungen. Dabei zeigt sich: Nicht der Anschaffungspreis allein entscheidet über die Wirtschaftlichkeit, sondern das Zusammenspiel von Fahrzeug, Ladeinfrastruktur und betrieblichen Abläufen.
Standzeit ist Ladezeit
Ein Fahrzeug, das nachts acht oder zehn Stunden auf dem Firmengelände steht, braucht keine hohe Ladeleistung. Eine 11-kW-Wechselstrom-Ladestation füllt in dieser Zeit auch grosse Batterien vollständig. Für die meisten Poolfahrzeuge, Servicewagen mit festen Touren und Fahrzeuge von Mitarbeitenden mit Heimladung reicht diese Infrastruktur. Die Investition pro Ladepunkt ist überschaubar, und mit einem Lastmanagement lassen sich viele Fahrzeuge an einem bestehenden Netzanschluss betreiben.
Anders sieht es bei Fahrzeugen aus, die tagsüber lange Strecken zurücklegen: Aussendienst, Projektleitende mit Baustellen in mehreren Kantonen, Verkaufsteams mit Kundschaft im süddeutschen Raum. Hier wird die Ladezeit unterwegs zum Kostenfaktor. Jede Viertelstunde an der Schnellladesäule ist bezahlte Arbeitszeit.
Was die Ladeleistung wert ist
Die Unterschiede zwischen den Fahrzeugen sind erheblich. Modelle mit 400-Volt-Architektur laden an Schnellladesäulen typischerweise mit 135 bis 185 kW. Fahrzeuge mit 800-Volt-Technik wie der Audi A6 e-tron oder der Q6 e-tron erreichen bis zu 270 kW. Beim Q6 e-tron entspricht das rund 265 Kilometern Reichweite in zehn Minuten. Auf einer Tagestour von Zürich nach München und zurück kann das den Unterschied ausmachen zwischen einem kurzen Halt und einer längeren Pause. Ladeleistung und Reichweite der einzelnen Versionen dokumentieren die Modellseiten zum A6 e-tron und zum Q6 e-tron.
Für Flottenverantwortliche bedeutet das: Die Fahrzeugwahl sollte nach Nutzungsprofil erfolgen, nicht nach Hierarchiestufe. Ein Mitarbeitender mit viel Langstrecke profitiert stärker von hoher Ladeleistung als eine Führungskraft, die überwiegend im Stadtgebiet unterwegs ist und zu Hause lädt.
Grenzüberschreitende Flotten
Viele Unternehmen in der Nordostschweiz haben Kundschaft, Niederlassungen oder Lieferanten in Baden-Württemberg und Bayern. Für ihre Flotten spielt die Ladeinfrastruktur auf beiden Seiten der Grenze eine Rolle. Das Schnellladenetz entlang der Autobahnen in Süddeutschland ist inzwischen dicht, die Preise je Kilowattstunde unterscheiden sich aber je nach Anbieter und Ladekarte deutlich. Flottenladekarten, die in beiden Ländern zu festen Konditionen funktionieren, vereinfachen die Abrechnung erheblich.
Wer Fahrzeuge in Deutschland bezieht oder dort für eine Niederlassung einsetzt, sollte zudem die unterschiedlichen steuerlichen Regeln für die Privatnutzung beachten. Deutschland begünstigt reine Elektro-Dienstwagen mit einem pauschalen Satz von 0,25 Prozent des Listenpreises pro Monat, sofern dieser unter 100.000 Euro liegt; in der Schweiz gelten andere Pauschalen. Eine Übersicht zu Flottenkonditionen und Leasing auf deutscher Seite bietet etwa die Seite für Gewerbekunden.
Restwerte als offene Grösse
Die grösste Unsicherheit in der Gesamtkostenrechnung bleiben die Restwerte. Der Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos hat sich in den vergangenen Jahren volatil entwickelt, auch weil neue Modelle mit deutlich besseren Reichweiten und Ladeleistungen ältere Fahrzeuge schnell entwerten. Viele Unternehmen setzen deshalb auf Leasing mit fixiertem Restwert und übertragen das Risiko an den Leasinggeber.
Fazit
Die Elektrifizierung der Firmenflotte ist weniger eine Frage des Ob als des Wie. Unternehmen, die ihre Fahrzeuge nach Nutzungsprofil auswählen, Standzeiten konsequent zum Laden nutzen und für Langstreckenfahrzeuge auf hohe Ladeleistung achten, senken die Gesamtkosten spürbar. Die Technik ist reif – entscheidend ist die betriebliche Organisation.



