Vor wenigen Jahren waren chinesische Automarken in Europa eine Randerscheinung. Heute gehören sie in vielen Ländern zum Straßenbild, allen voran BYD, gemessen an den Verkäufen von Elektro- und Plug-in-Fahrzeugen einer der größten Hersteller der Welt. Wie das Unternehmen seine Expansion in Europa aufstellt, sagt viel über die Verschiebungen in der Branche.

Die Zollfrage

Die Europäische Union hat 2024 Ausgleichszölle auf Elektroautos aus China eingeführt. Begründet wurden sie mit staatlichen Subventionen, die den Wettbewerb verzerrten. Die Sätze fallen je nach Hersteller unterschiedlich aus, BYD liegt dabei vergleichsweise niedrig. Die Schweiz hat keine vergleichbaren Zölle eingeführt. Für chinesische Marken ist der Schweizer Markt damit leichter zugänglich, aber klein.

Produktion in Europa

Die wichtigste strategische Antwort auf die Zölle ist die Fertigung vor Ort. BYD hat im ungarischen Szeged ein Werk errichtet, weitere Standorte sind in Planung. Fahrzeuge aus europäischer Produktion fallen nicht unter die Ausgleichszölle und verkürzen Lieferzeiten. Zugleich entstehen Arbeitsplätze in der EU, was die politische Akzeptanz erhöht.

Händler statt Direktvertrieb

Während einige neue Marken auf Online-Direktvertrieb setzen, geht BYD in Deutschland einen klassischen Weg: Ein Netz regionaler Händler übernimmt Verkauf, Probefahrten, Inzahlungnahme und Service. Die Präsenz reicht von Metropolen bis in ländliche Regionen, etwa mit Anlaufstellen in München, im übrigen Bayern, im Voralpenland rund um Rosenheim und im Rheinland in Düsseldorf. Der Vorteil für Kunden: Werkstatt und Ansprechpartner vor Ort, ein Punkt, der beim Vertrauen in eine neue Marke erheblich zählt.

Was das für Schweizer Unternehmen bedeutet

Für Schweizer Zulieferer bietet der Aufbau europäischer Werke chinesischer Hersteller Chancen, etwa in der Elektronik, bei Batteriekomponenten oder in der Automatisierung. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb für europäische Hersteller, die viele Schweizer Zulieferer als Hauptkunden haben. Unternehmen mit Flotten beobachten den Preisdruck genau: Wenn chinesische Anbieter mit großer Serienausstattung und konkurrenzfähigen Preisen antreten, verändern sich auch die Leasingkonditionen der etablierten Marken.

Ausblick

Ob chinesische Hersteller ihren Marktanteil in Europa weiter ausbauen, hängt von Handelspolitik, Qualität im Alltag und dem Aufbau von Servicestrukturen ab. Die Zölle haben den Vormarsch verlangsamt, aber nicht gestoppt. Mit lokaler Produktion und regionalen Händlernetzen richten sich die Anbieter auf Dauer ein.